Unterkühlung - Vorbeugung, Ursachen und weitere Maßnahmen

Was ist eine Unterkühlung eigentlich?

Die Temperatur im Körperinneren (Kerntemperatur) wird durch ein komplexes Regelsystem auch bei geringen Schwankungen der Umgebungstemperatur ziemlich konstant auf 37 °C gehalten (Wärmeregulation). Eine Unterkühlung (Hypothermie) besteht, wenn die Körpertemperatur unter 35 °C sinkt. Bei Körpertemperaturen von 35 bis 32 °C wird beispielsweise durch Muskelzittern zusätzliche Wärme produziert. Die Blutgefäße vom Rumpf entfernter Gliedmaßen (z. B. Finger, Zehen, Nase und Ohren) ziehen sich zusammen, um den für die lebenswichtigen Organe notwendigen Blutdruck aufrechtzuerhalten (sog. Zentralisation). In den äußeren Körpergebieten ist die Durchblutung dagegen stark verringert; die Hautwird kühl und blass und es entsteht eine sog. äußere kalte „Körperschale", die dem Körperkern kaum Wärme entzieht. Neben der allgemeinen Unterkühlung kann es zu örtlichen Erfrierungen (Gewebsschädigungen durch Sauerstoffmangel) kommen, z. B. an Ohren und Zehen.

Eine gestörte Durchblutung in den äußeren Körperregionen begünstigt auch das Eindringen von Viren und Bakterien in die Schleimhäute. Daher leiden in den Herbst- und Wintermonaten Menschen vermehrt unter akuten Infektionen der Atemwege, sog. Erkältungskrankheiten.

 

Unterkühlungen betreffen den ganzen Organismus und werden je nach Schweregrad unterteilt in:

Leichte Unterkühlung

(Körpertemperatur 35 bis 32 °C). Muskelzittern, Frösteln, vertieftes Atem, Puls und Blutdruck sind erhöht, die Haut ist blass und kalt. Der Betroffene ist bei Bewusstsein und erregt.
Wird bei einer leichten Unterkühlung rechtzeitig die Körpertemperatur ohne Komplikationen wieder erhöht, so ist nicht mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen.

Mittelgradige Unterkühlung

(Körpertemperatur 32 bis 28 °C). Der Blutdruck ist niedrig, der Puls verlangsamt. Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörung, das Muskelzittern hört auf, die Schmerzempfindlichkeit ist herabgesetzt. Herzrhythmusstörungen können auftreten. Die Haut verfärbt sich bläulich-gräulich.

Schwere Unterkühlung

(Körpertemperatur < 28 °C). Bewusstlosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Atmung und Puls sind kaum noch feststellbar, verminderte Hirnaktivität (feststellbar im EEG); Atem- und Kreislaufstillstand.

Häufigste Ursachen

  • Niedrige Umgebungstemperatur
  • Mangelnde Wärmeregulationsfähigkeit, z. B. bei Schilddrüsenunterfunktion, älteren Menschen und Frühgeborenen

Weitere Faktoren/Situationen, die eine Unterkühlung begünstigen:

  • Kalter Wind und Nässe
  • Unzweckmäßige und/oder feuchte Bekleidung
  • Zu wenig Bewegung
  • Zu langer Aufenthalt in der Kälte oder im Wasser (Ski- und Schwimmunfälle, Einbruch ins Eis, Obdachlosigkeit)
  • Bewusstloses Liegen in der Kälte
  • Schlechter körperlicher Allgemeinzustand
  • Alkoholgenuss

Was Sie unbedingt vermeiden müssen

  • Bewegen, Massieren oder Frottieren.
  • Schnelle Wärmezufuhr von außen, z. B. durch Baden. Wenn die Hautdurchblutung vorzeitig in Gang kommt, verlagert sich plötzlich kaltes Blut aus der Körperschale in den Körperkern und kühlt diesen ab. Dies kann unter Umständen zum sog. Bergungstod führen.
  • Alkohol (entzieht dem unterkühlten Körper zusätzlich Wärme und Flüssigkeit).

Was Sie für Betroffene tun können

  • Bei Zeichen einer mittelschweren oder schweren Unterkühlung sofort Notarzt anrufen (Deutschland: 112, Österreich: 144).
  • Den Betroffenen in einen Raum mit Zimmertemperatur oder an einen windstillen Ort bringen.
  • Flach lagern und möglichst wenig bewegen.
  • Nasse Kleider entfernen und den Betroffenen warm einhüllen.
  • Sehr langsames Erwärmen des Körpers, z. B. mit trockenen warmen Umschlägen auf Nacken, Brust und Bauch.
  • Warme, gezuckerte Getränke, wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist (KEIN Alkohol).

Was der Arzt/Notarzt tun kann

  • Evtl. Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen
  • Sauerstoffgabe
  • Infusionen mit erwärmter Ringer- oder Kochsalzlösung
  • Schmerzmittel
  • Versorgung von Erfrierungen
  • Transport ins Krankenhaus

Wann Sie zum Arzt müssen

  • Um Folgeschäden zu vermeiden, benötigen Sie bei Unterkühlung immer rasche ärztliche Betreuung.

Vorbeugung

  • Zweckmäßige Kleidung, am besten mehrere Kleidungsstücke übereinander anziehen. Auch Kopfbedeckung beachten.
  • Nasse Kleidungsstücke wechseln.
  • Ausreichende energiereiche Kost beim Wintersport.
  • Bei niedrigen Außentemperaturen nicht zu lange im Freien aufhalten.
  • Aktive Bewegung.
Ähnliche Beiträge

Coronavirus: Was Sie jetzt wissen sollten

Coronaviren sind eine Familie von Viren, die bei Tieren oder Menschen Krankheiten verursachen können.

Mehr lesen

Körper

Coronavirus: Wie Sie sich schützen können

Bleiben Sie auf dem Laufenden über die neuesten Informationen zum Ausbruch von COVID-19, die auf der WHO-Website und über Ihre nationale und…

Mehr lesen

Körper

Leberbeschwerden - Vorbeugung, Ursachen und weitere Maßnahmen

Die Leber hat zahlreiche zahlreiche Stoffwechselaufgaben und ist das wichtigste Entgiftungsorgan des Körpers. Leberbeschwerden können versch…

Was ist eine Gastritis und was kann ich dagegen tun?

Durch eine Schädigung dieser Schleimschicht oder Überproduktion der Magensäure kann die Magenschleimhaut angegriffen werden. Es kommt zu ein…

Bluthochdruck

Viele von Bluthochdruck Betroffene verspüren zunächst meist keine Beschwerden 

Mehr lesen

Körper

Diagnose Brustkrebs

Eine der haufigsten Krebserkrankungen unter Frauen.                                      

Mehr lesen

Körper

Volkskrankheit – Diabetes

Rund 425 Millionen Menschen leiden weitweit an der ,,Zuckerkrankheit'' - Tendenz streigend. 

Mehr lesen

Körper

Migräne – das Gewitter im Kopf

Ursache und Verlauf auf der Spur.                                                       

Mehr lesen

Körper

Schuppen: wenn die Kopfhaut rebelliert

Anti-Schuppen-Shampoos helfen, doch leider nicht immer. Höchste Zeit, den Kopfschuppen auf die Spur zu gehen!

Mehr lesen

Körper

Pollenalarm! Achtung, Heuschnupfen

Eine der häufigsten Allergieformen ist der Heuschnupfen.

Mehr lesen

Körper

Mit Diabetes durch den Sommer

Sommermonate sind Urlaubsmonate – Diesen Herausforderungen müssen sich Diabetiker stellen

Mehr lesen

Körper

Sommer, Sonne und Tattoo

Häufige Sonneneinstrahlung kann die Leuchtkraft und Langlebigkeit einer Tätowierung stark beeinträchtigen.

Mehr lesen

Körper

Sportverletzungen

Unser Körper ist für ein bewegtes Leben gemacht. Umso wichtiger, dass uns dabei Fehltritte und Überbelastungen nicht unnötig ausbremsen. 

Mehr lesen

Körper

Kopfläuse - was tun?

Läusealarm? Keine Panik! Kopfläuse sind zwar lästig, doch ungefährlich.

Mehr lesen

Körper

Osteoporose besser verstehen

Osteoporose gilt als Volkskrankheit. Weltweit sind 200 Millionen Frauen von Osteoporose betroffen (WHO).

Mehr lesen

Körper

Osteoporose frühzeitig erkennen

Oft verspüren Osteoporose-Patienten zu Beginn der Erkrankung gar keine Schmerzen.

Mehr lesen

Körper

Frakturrisiko bei Osteoporose senken

Osteoporose vermindert die Knochendichte. Dadurch werden die Knochen dünner und porös.

Mehr lesen

Körper

Osteoporose gezielt vorbeugen

Osteoporose ist derzeit unheilbar. Dennoch kann jeder Patient vorbeugend etwas tun.

Mehr lesen

Körper

Osteoporose-Therapien richtig anwenden

Sie haben die Diagnose Osteoporose erhalten?

Mehr lesen

Körper

Osteoporose gezielt behandeln

Jede Behandlung einer Osteoporose verläuft anders. Entscheidend ist der gesamte gesundheitliche Zustand des Patienten.

Mehr lesen

Körper